Helene Schmittmann

Versuch einer Würdigung

Herausragende Frauengestalten des 20sten
Jahrhunderts zeichnen sich durch sehr
unterschiedliche Verdienste aus. Die große
Herausforderung, die Gleichberechtigung
von Mann und Frau zu verwirklichen und
damit die Lebensgestaltung grundlegend zu
verändern, bleibt die nachhaltige Zielsetzung.

Frauen, die aus einer bewusst zurückgenommenen, eigenen Rolle zu überzeugender Größe emporwachsen, sind hingegen selten. Helene Schmittmann gehört zu diesen selten gewordenen Frauengestalten, die nicht als Verbandschefin, nicht als Parlamentsheldin, sondern aus dem Beruf und dem Werk ihres Mannes heraus Zeichen gegen die Allmacht des Staates und die gnadenlose Vereinzelung des Bürgers in unserer Zeit setzte. Das Geheimnis der Gegenwirkung geht nur von jenen aus, die unermüdlich die brechenden Fäden knüpfen und dem Non Servam der Massen das Dienen am Menschen entgegensetzen, kurz: von jenen, die wachsen, in dem sie geben.

Die Liebe zu den Menschen, ihr unerschütterlicher Glaube und die tiefe Überzeugung mit dem Werk und der Arbeit ihres Mannes an einer besseren Welt mit zu gestalten, ließ sie über sich selbst hinauswachsen. Diese Gemeinsamkeit schenkte ihr in der Zeit der tiefsten persönlichen Not die Gnade, nicht zu verzagen, nicht in Verbitterung zu versinken, sondern an ihrer Menschenliebe festzuhalten. In Zeiten des Bombenkrieges, der Hungersnot und der Hoffnungslosigkeit weist sie mit unerschütterlicher Gewissheit über Sinn und Richtung des Lebens den Weg.

Furchtbar erprobt, wird sie nach dem Krieg ein Sinnbild bewältigter Vergangenheit. Sie hilft vielen, den Pulsschlag des wahren Deutschlands wieder zu finden und versöhnt manchen mit seinem Schicksal und dem der Nation. Ganz der Gegenwart zugewandt, macht sich die 70jährige daran, das Werk und die Arbeit ihres Mannes in zeitgemäßer Form weiter zu tragen. Sie erlebt, dass viele Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit auf fruchtbaren Boden fallen. Gleichzeitig setzt sie der Erziehungssorge ihres Mannes mit der Gründung des Studentenheims Kreuz-Kolleg Benedikt-Schmittmann-Haus ein lebendiges Denkmal.  

In diesem Haus breitet sie frohen Herzens noch einmal alle ihre Möglichkeiten aus und beschenkt jeden Einzelnen mit der Fülle ihrer Erkenntnisse und Erfahrungen. Sie macht das Schmittmann-Haus noch einmal zu einem besonderen Ort der Begegnung und des geistigen Austausches. Jedem Hausbewohner drückt sie damit einen Prägestempel auf, den jeder mit Stolz trägt und der ihn mit tiefer Dankbarkeit für Helene Schmittmann erfüllt.

Aus: A.Kuhlmann „Helene Schmittmann – Mit Glaube und Liebe für eines bessere Welt“, Köln 2003